“Nächster Halt Nha Trang”, oder so ähnlich hätte man wohl gehört im Zug wenn man Vietnamesisch verstehen würde.Der Kondukteur wusste zum Glück wo wir raus wollten und kam rechtzeitig um uns mitzuteilen, dass wir aussteigen müssen und sagte sowas wie “Nadal, nadal”. Dank unserer Smartphones und GPS wussten wir bereits, dass wir irgendwo hier in der Nähe aussteigen mussten, aber es hätte wohl auch ohne geklappt. Zug fahren in Vietnam ist jedenfalls lustig. Wir empfehlen “Soft seats” und am Tag zu fahren, damit man was von der Landschaft hat. In der Nacht bieten sich die Plätze mit Bett an. Vermeiden sollte man für eine 8-Stündige fahrt vielleicht die “Hard seats” denn diese verdienen zu Recht den Namen “Holzklasse”. Es handelt sich hierbei um ungepolsterte Holzbänke.
Nach dem wir genug vom Regen in Hue hatten, beschlossen wir weiter zu ziehen, weil Hue angeblich immer sehr viel Regen hat. Es war natürlich nicht nur das Gebirge Schuld, sondern in erster Linie die Regenzeit, deren Ende wir im Süden noch knapp mitbekommen. Hoi An ist die Stadt der Schneider und der Laternen.
Irgendwann zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert gegründet von den “Cham” wurde Hoi An zu einer blühenden Handelsstadt. Im 16. Jahrhundert (evtl. schon vorher?) gab es eine Japanische Siedlung in Hoi An, auf der anderen Seite der “Japanischen Brücke”. Die Brücke ist bis heute erhalten geblieben, beherbergt einen Buddhistischen Tempel und hat ein reich verziertes Dach. Heute ist die Stadt vor allem durch ihre hübschen Laternen und die Schneider bekannt. Während es vor ein paar Jahren nur mehrere Dutzend, später einige Hundert waren, gibt es heute über tausend Schneider. Es ist also der perfekte Ort um sich einen Massgeschneiderten Anzug bzw. ein Kleid schneidern zu lassen. Dies taten wir natürlich, 59$ für ein Kleid, respektive 115$ für einen Anzug, wer kann da schon nein sagen? Wir haben uns einen Schneider empfehlen lassen, uns dann aber dafür entschieden einfach einen auf der Strasse zu suchen. Wir liessen Raphis Anzug von “Mr. Luu” schneidern und Rias Kleid von “NIT”. Bei beiden waren wir sehr zufrieden mit der Arbeit, wobei bei Mr. Luu alles noch ein Mü professioneller war, bzw. Mr. Luu (wenn er denn wirklich so heisst) Wert auf Perfektion legt. So bestand er nach dem ersten Anpassen darauf, dass die Hose nochmals um 4mm eingenommen wird, und an der einen Stelle noch ein bisschen an der Kontur gefeilt wird. Wir waren jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis.
Von Cat Ba aus kehren wir wieder per Boot-Fähre-Boot nach Hanoi zurück. Von da aus setzten wir unsere Reise mit einer abenteuerlichen Zugfahrt in Richtung der Stadt Hue am Parfümfluss fort. Hue ist die ehemalige Kaiserstadt Vietnams und es gibt entsprechend viel zu sehen.
Hue war Sitzt der Vietnamesischen Kaiser von 1802 an, seit die Nguyễn-Dynastie den Kaiserhof von Hanoi nach Hue verschoben hatte und bis 1945 als der letzte Kaiser, Bao Dai, zur Abdankung gezwungen wurde. In dieser Zeit wurde eine gigantische Zitadelle mit der verbotenen Stadt, dem Wohnsitz des Kaisers, im Zentrum gebaut. Noch innerhalb der Zitadelle, rund um die verbotene Stadt herum, gibt es aber auch Wohnhäuser für die Prinzen, die Ehefrau, die Mutter und die Konkubinen (je nach Kaiser über 500) des Kaisers, sowie für Handwerker. Grosse Teile der Zitadelle wurden leider während des Krieges mit den Franzosen und während dem Vietnamkrieg zerstört und sind bis heute nur teilweise wieder aufgebaut.
Von Hanoi aus reisen wir weiter zur Halong Bay, die bekannt ist für ihre Tausenden von kleinen Karst-Inselchen. Zur grössten dieser Inseln, Cát Bà, gibt es eine Fährverbindung und auf der Insel eine Stadt mit demselben Namen.
Cat Ba Town auf Cat Ba ist leider nicht gerade eine Schönheit, da in sehr kurzer Zeit viele Betonklötze hingestellt wurden. Aber sobald man die Stadt verlässt, ist die 260 km² grosse Insel Natur pur und besteht nur aus tropischem Regenwald und Karstfelsen. Ein grosser Teil der Insel und umliegenden Gewässer steht auch unter Naturschutz.
Wir sind nun also wirklich in Südostasien angekommen. Nachdem wir in Santiago nicht viel Zeit hatten, in Sydney auch nicht und auch in Singapur nur kurz verweilt waren, nahmen wir es wieder einmal ein bisschen lockerer.
Der Übergang von Südamerika, via Sydney nach Singapur war beeindruckend und faszinierend. Die Reise von Singapur nach Vietnam war kurz und trotzdem merkt man, dass es ein anderes Land ist. Singapur gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf Asien, aber alles in einem aufgeräumten blitzblank polierten Umfeld. In Hanoi gibts nun so richtiges Chaos, wie man es sich vorstellt. Überfüllte Strassen mit tausenden von Motorradfahrern, welche mit Autos und kleinen Lastwagen um die Strassen kämpfen. Ja wirklich kämpfen, denn Verkehrsregeln gibt es eigentlich keine. Wer zuerst kommt fährt zuerst, und die anderen hupen. Die Strasse überquert man an beliebigen Stellen, sofern keine Ampel in Sicht ist. Man läuft gemächlich mit möglichst gleich bleibendem Tempo über die 6-spurige Strasse und kommt, trotz dichtem Verkehr, in einem Stück auf der anderen Seite an. Das Ganze ist lustig bis beeindruckend. Die anderen Verkehrsteilnehmer nehmen eigentlich enorm viel Rücksicht auf Fussgänger, auch wenn einen dies nicht unbedingt so vorkommt.
Nach einem weiteren Langstreckenflug erreichen wir Asien und damit den zweiten Teil unserer Reise. Hier werden wir voraussichtlich 4 Monate verbringen. Unser Ankunftsort ist Singapur, ein Stadtstaat an der Spitze der Halbinsel Malaysias. Obwohl wir uns (knapp) wieder auf der Nordhalbkugel befinden und damit Winter haben, herrschen hier gute 30°C und bis zu 95% Luftfeuchtigkeit.Singapur liegt vollständig auf einer Insel und hat eine Fläche von 700 km² und über 5.6 Mio. Einwohner. Zum Vergleich: die Schweiz hat eine Fläche von 41’000 km² und 8.4 Mio. Einwohnern. Um die gleiche Bevölkerungsdichte zu erreichen wie Singapur, müsste sich die ganze schweizer Bevölkerung mit der Fläche des Kanton Uri begnügen. Trotz seiner kleinen Fläche ist Singapur aber ein sehr vielfältiges Land. So gibt es vier offizielle Landessprachen: Englisch, Mandarin (mehrheitlich in China), Malay (mehrheitlich in Malaysia) und Tamil (mehrheitlich in Indien und Sri Lanka). Die meisten Beschriftungen im öffentlichen Raum sind dann auch viersprachig. Die Bevölkerung ist stark gemischt und besteht vor allem aus Einwanderern der Nachbarländern, wie China, Malaysia, Indien. Aber am auffälligsten ist das friedliche Miteinander der vielen verschiedenen Religionen.
Nach einem 14-stündigen Flug, der sich Dank 10 Stunden Zeitverschiebung, Datumsgrenze und Wartezeiten auf fast zwei Tage ausdehnt, erreichen wir ziemlich geschafft vom Jetlag endlich unser Ziel, Sydney. Neben Sight-seeing ist in Sydney das erste Mal auch Arbeit an der Tagesordnung. So gibt Ria einen Vortrag am Department of Earth and Planetary Sciences der MacQuarie Universität und besucht auch die School of Biological, Earth and Environmental Sciences an der University of New South Wales (UNSW).
Rückblick auf Chile, speziell in Bezug auf den Rest von Südamerika:
The southern cone: Chile, Argentinien und Brasilien bilden den sogenannten “Cone” oder “Southern cone”. Die Länder im Cone haben eine stärkere Wirtschaft als der Norden, meist basierend auf Ressourcen wie Kupferminen (Chile), Salpeter (in der Vergangenheit) oder Erdöl (Brasilien). Dies führt zu einem höheren Lebensstandard, mehr Einkommen und als Folge natürlich auch höheren Hotelpreisen, dafür aber auch bessere Hotels.
Nicht mehr Anden: Während Chile noch immer sehr Hügelig ist, befinden wir uns nicht mehr auf dem Altiplano, sondern in der Atacama-Wüste beziehungsweise in der Pampa. Auch hier gibt es ein Hochplateau, dieses ist jedoch nur 1000, bzw. 2000 Meter hoch. Es gibt aber auch hier, speziell in der Grenzregion zu Bolivien Vulkane, welche über 4000 Meter hoch sind.
Der Norden von Chile kennt relativ wenig Tourismus. Während die Atacama-Wüste rund um San Pedro häufiger auch von ausländischen Touristen besucht wird, trifft man an der Küste eher Einheimische an. Die gesamte Region im Norden lebt in erster Linie vom Kupferabbau, sowie vom Gütertransport. So ist Arica einer der grössten Häfen Chiles, welcher auch Bolivien versorgt.
Das Zentrum von Chile, in welchem sich auch die Hauptstadt Santiago befindet, ist da schon wesentlich freundlicher. Statt Wüste herrscht hier eher Mittelmeerklima. Es werden entsprechend Früchte angebaut und natürlich Wein. Praktisch überall in Südamerika wo wir Wein angetroffen hatten, kam er aus Chile. Valparaíso ist der grösste Hafen dieser Region und zieht entsprechend viele Touristen an, welche Kreuzfahrten machen.
Wie die meisten Länder in Südamerika hat Chile eine spannende, teils turbulente politische Entwicklung hinter sich. Im Gegensatz zu den anderen Länder wo diese eher ignoriert, oder verschwiegen bis versteckt wird, ist man in Chile dabei diese aufzuarbeiten. So gibt es in Santiago ein Menschenrechtsmuseum, welches die Geschichte von der Absetzung von Allende und die Machtübernahme durch Pinochet thematisiert. Auffallend an dieser Stelle ist die leichte heroisierung von Allende.
Santiago street as seen from the Santa Lucía hill.
Nachdem wir uns vom künstlerischen Flair von Valparaíso verabschiedet haben, fahren wir zwei Stunden ins Landesinnere und erreichen so die Hauptstadt von Chile. Hier in Santiago haben wir wieder mal richtig Glück mit der Wahl unserer Unterkunft. Das “El Gallo con Tacos” ist ein kleines, charmantes Boutique-Hotel, das sich anfühlt wie zu Hause. Aber das Highlight ist klar das Frühstück. Frisch gekocht vom Besitzer höchstpersönlich, gibt es jeden Morgen ein anderes mehrgängiges Frühstück mit frisch gepresstem Fruchtsaft, Früchten und frischem Kaffee.
There are a lot of spots with nice restaurants and pubs
Valparaíso liegt an der Küste von Chile, nur ein Steinwurf von Santiago entfernt. Es ist eine Stadt die eigentlich gar keine hätte werden sollen. Ursprünglich war es lediglich ein Hafen, aber nachdem im Hafen dann eine Kirche gebaut wurde, siedelten sich mehr und mehr Leute an. Die Stadt wucherte also vor sich hin. Der Salpeterabbau spülte Geld in die Stadt und Villen wurden gebaut. Dass Valparaíso der südlichste Hafen Chiles war und somit für alle Schiffe, welche vom Pazifik in den Atlantik fahren wollten ein notwendiger Stopp war, tat sein übriges. Die Stadt blühte. Das Habor-Bosch-Verfahren, welches den Salpeterabbau unrentabel machte, und der Bau des Panamakanals waren, sagen wir jetzt mal, unvorteilhaft für die Stadt. Es kamen keine Schiffe mehr, kein Geld, etc. Für den Kupferabbau wurde im Norden ein neuer Hafen gebaut, für die Schifffahrt wurde Valparaíso also uninteressant. Die Stadt überstand die Krise jedoch und verstand es zunehmend den Tourismus für sich zu nutzen. Heute besuchen in der Hochsaison täglich tausende Touristen die Stadt, vorwiegend über Kreuzfahrtschiffe, welche der Küste entlang fahren. Ausserdem gibt es neuerdings vermehrt grössere Frachtschiffe, welche den Panamakanal aufgrund ihrer Grösse nicht passieren können. Valparaíso lebt also weiter.